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Osmanische Männerwaren
der Jugend und Schönheit verfallen. Ob diese Schönheit bei Frauen oder Männern lag, war gleich, man fand sie
aufreizend und anziehend. Einige Sultane hatten in ihren Palästen nicht nur schöne Sklavinnen sondern immer auch ein paar Jünglinge
mit Puppengesichtern, die ihnen zu Diensten standen.
Die Vorliebe der Osmanen für junge, gut aussehende Männer ließ Gruppen von
Tanzknaben entstehen.
Bei öffentlichen Volksbelustigungen der Osmanen, sah man auch
“Köcekler“, Tanzknaben, die genau wie die Tänzerinnen in Gruppen zusammen arbeiteten. Die
verschiedenen Gruppen wurden
nach ihren Vortänzern benannt.
Die Tanzgruppen hatten mindestens dreißig Mitglieder. Von Zeit zu Zeit gab es Gruppen von 200 oder 300 Tänzern, die ihre Kastagnetten
klappern ließen. Diese Tänzer, die in Frauengewändern auftraten, waren meist anziehende, lüsterne und feminine, strahlende Jünglinge.
Schon in frühester Jugend wurden Knaben, die Neigung zu Tanz zeigten ausgewählt, sie wurden in Musik und Tanz unterwiesen und man
versuchte ihnen alle Feinheiten beizubringen. Sie bildeten wichtige Elemente im Vergnügungsleben der
Osmanen. Auf Hochzeitsfeiern, an Festtagen, bei Feierlichkeiten und auch vor dem Sultan am Hofe gaben sie ihr Können zum Besten. Neben
Tänzern in Frauenkleidern gab es auch Männer, die in Pumphosen tanzten, sie wurden Häschen genannt.
Wie man heute weiß, haben die Sklavinnen im Harem sich auf ähnliche Artverkleideten und sie tanzend
nachahmten. Die “Köcekler“ trugen meistens samtene Hemden mit Goldstickerei,
seidene Röcke mit Goldfransen und schlangen sich Gürtel um die
Taillen. Die Häupter waren unbedeckt, die Haare lang und lockig. Sie
rieben sich mit Wohlgerüchen ein und schminkten sich leicht. Beim Tanz nahmen sie metallene Kastagnetten zwischen die Finger und schlugen
mit ihnen den Rhythmus zur Musik. Die Knaben, die man Häschen nannte, waren in enge, schwarze Tuchhosen gekleidet, trugen
Seidenhemden und wickelten sich Leibgurte um die Lenden.
Die Kleidung unterstrich die Körperformen, das war die charakteristische Besonderheit für diese Tänzer.
Die Tänzer zeigten lebhafte Bewegungen zur Musik, brachten ihre Körper in alle möglichen Stellungen, zeigten aufreizendes Benehmen, vollbrachten Drehungen, wechselten in den Bauchtanz, lehnten sich
nach rückwärts, um ihre Haarpracht vorzuführen, zitterten, um die sexuellen Gefühle der Zuschauer anzustacheln. Vor der tänzerischen
Darbietung gingen sie manchmal mit ruhigem, manchmal mit schnellem Schritt über die Tanzfläche. Mit ihren Grübchen, ihrer Ziererei, mit
reizvoller Haltung, mit schamhaftem oder kokettem Gebaren versuchten sie die Zuschauer lüstern zu machen.
Diese Tanzknaben stellten sich meistens vollkommen in Frauenkleidung vor.
Das hieß natürlich, eine Welle von Wollust ging über die
Zuschauer dahin und brachte das Blut in Wallung. Diese anmutigen Jünglinge mit schönen Gesichtern in
Frauenkleidern mit femininem Gebaren versetzten die Zuschauer mit ihren verführerischen Tänzen
in große Begeisterung. Bei diesen feurigen Tänzen hörte man Becher zerspringen, tiefe Seufzer, Begeisterungsrufe, anzügliche oder
auffordernde Spaße, es kam sogar zu unzüchtigen Angriffen.
Die Tanzknaben zogen immer eine große Schar von Liebhabern hinter sich her. Ihre Schönheit und ihre Fertigkeiten waren in aller
Munde. In ihrem Namen schrieb man Gedichte, für sie wurden Lieder komponiert. Die Liebhaber versuchten jeden Weg, um mit ihnen
zusammenzukommen. Sie hatten meist einen falschen Namen, der ihr
Gebaren, physische Besonderheiten oder Charaktereigenschaften bezeichnete.
Ein Teil der Tanzknaben bot in den großen Kaffeehäusern Istanbuls ständig Vorführungen an. Wenn Tanzknaben ohne Arbeit waren,
verdingten sie sich als Schankwirte in den Kneipen Istanbuls, mit ihrem koketten Benehmen versetzten sie die Kundschaft doppelt in Rausch.
Wie man aus diesen Ausführungen schließen kann, waren ein Großteil der Tanzknaben passive Homosexuelle. Diese passiven
Homosexuellen ließen mit zunehmendem Alter das Tanzen und heirateten manchmal.
Diese “Köcekler" waren eigentlich Personen, die man als
homo oder transsexuell bezeichnen müsste.
Der Hofdichter Fazil Bey, der zwischen 1759 und 1810 gelebt hat und als Homosexueller bekannt war, hat in seinem Werk “Cenginame“
über die damals berühmten Tänzer berichtet. Obgleich das Werk dem Namen nach auf Tänzerinnen hinweist, beschreibt es die Tanzknaben.
Wir wollen gemeinsam einen Blick auf die Berühmtheiten der damaligen Zeit werfen: "Der Ägypter hat einen wohlgestalteten Körper und
eine unvergleichliche Größe. Er ist Jude. Wenn er mit dem Tanz beginnt und seinen Körper spielen
lässt, macht er alle rasend. Seine
Liebhaber sind nicht zu zählen. Sowohl sein Gesicht als auch sein Gang sind
anmutig. Wenn er seine Pumphose fallen lässt, ist er noch lieblicher.
Allerdings erzählen manche Liebhaber, dass er ein hässliches Hinterteil
und dazu noch ein Glied habe, was sich für Juden nicht geziemt."
"Das Hinterteil des Goldballs ist ständig für die Liebe bereit. Es gibt
viele, die für ihn beten. Außer, dass er Armenier ist, hat er keinen
Fehler."
"Der Kanarienvogel hebt sein Gewisses etwas...! Es ist die Nachtigall unter den
Schönen..."
"Mehmet das Mädchen begibt sich wie ein mannstolles Frauenzimmer in die Herbergen... Sein größtes Kapital ist sein Gesäß, auf diese
Art ist er zu mehr als hunderttausend Liebhabern gekommen."
"Die Stirnlocke bei Istravi (Name des Tanzknaben) ist wie ein Drache... Sie erschließt die Herzen... Ist den Liebhabern gerade recht..." |