Nach oben

Taenzerinnen

In den Gesellschaften des Ostens ist der Tanz ein bekanntes Vergnügen und diesem Tanz, der Raks genannt wird, waren die Osmanen Frauen wie auch Männer sehr zugetan. Er ist ein Symbol des Ostens und wird in jedem Film als Charakteristikum den Zuschauern vorgeführt. Die osmanische Gesellschaft hat diese Kunst, in der Musik und Bewegung verschmelzen immer mit Interesse verfolgt.

Personen, die den Tanz als Beruf gewählt hatten, arbeiteten in Gruppen zusammen. Diese Gruppen bestanden zu einem Teil aus tanzenden Männer und zum anderen aus tanzenden Frauen. Die Gruppe der tanzenden Frauen hieß, "die Tänzerinnen" in dieser Gruppe nannte man „cengi“ die einzelne Frau. Diese Tänzerinnen durften ihre Aufführungen nur vor Frauen abhalten. Die Tanzgruppen glichen Wandertheatern. Es gab eine Gruppenführerin, die zugleich Chef des Unternehmens war. In den Gruppen gab es zwölf Tänzerinnen, eine Musikgruppe von etwa vier Frauen, Hilfspersonen und Tanzknaben.

Die Chefin und Haupttänzerin hatte meist eine tänzerische Vorbildung, im Leben schon viel erlebt und zog es vor, in Gemeinschaft mit Frauen zu leben, war also meist lesbisch. 
Das Haus der Chefin war auch oft die Schule, in der die Tänzerinnen ausgebildet wurden. Hübsche Mädchen mit schönen Körpern, die Tänzerinnen werden wollten, mussten sich dem Training bei einer "abla" (älteren Schwester) unterziehen, um ihr Wissen im Beruf und das notwendige Können zu erweitern. 

Diese "Schwestern" waren sehr erfahrene Vortänzerinnen. Die Häuser, aus deren Fenstern flotte Musik zu hören, leichtfertige, junge und hübsche Mädchen zu sehen waren, beobachtete man gewöhnlich mit großem Interesse. Junge gut aussehende Männer, die Vergnügen für eine Nacht suchten und ältere Schürzenjäger, die Taschen voll Geld, waren in der Umgebung dieser Häuser immer anzutreffen. 

Dabei teilten die Tanzmädchen äußerst selten ihre Zeit mit diesen Freiern. Im Allgemeinen waren die Tänzerinnen nicht darauf aus, ihre Zuneigung Männern zu schenken. Außer einigen heterosexuellen Mädchen, zogen die meisten Geschlechtsgenossinnen mit roten Lippen und weißer Haut für Liebe und Lust vor. 

Wenn man es ganz deutlich sagen will, waren die „cengi“, die Tänzerinnen, die Gruppe in der osmanischen Gesellschaft, die für lesbische Beziehungen berühmt war. Mit der Chefin der Gruppe wurde gehandelt und für private Vergnügungen oder für Hochzeitsfeiern konnte man die Gruppe für einen bestimmten Zeitraum mieten. 

Da türkische Hochzeitsfeiern mehrere Tage andauern, verblieben die Tänzerinnen für den abgesprochenen Zeitraum am Ort und tanzten. Wenn eine Vortänzerin auf die Straße ging, erregte sie meist großes Aufsehen. Sie war in der Regel in elegante Umhänge von frappanten Farben gekleidet und Männer hatten Gefallen daran, dass sie ihre schönen Körper ungezwungen spielen ließen.

Die Tänzerinnen warfen jedem in der Umgebung ein Lächeln zu und bewegten sich mit großer Koketterie. 
Sie machten mit mimischen Zeichen auf sich aufmerksam, verteilten Zurufe oder gaben unüberhörbare Antworten, winkten den Leuten auf der Straße zu, hin und wieder wurden sie sogar "handgreiflich", wenn sie zu ihren Darbietungen gingen. Die Tanzgruppen wurden feierlich in die Häuser gebeten, in denen sie ihre Darbietungen abhielten. Man bereitete eigens Zimmer für sie vor.

Diese Zimmer lagen gewöhnlich im Harem und der Eintritt für andere Frauen des Hauses war verboten. 
Die Tänzerinnen kleideten sich unter fröhlichem Gelächter, miteinander tanzend, kokette Worte ausstoßend und sich gegenseitig helfend, an, erweckten damit aber die Neugier der Frauen, die sich draußen befanden. Bei jeder möglichen Gelegenheit versammelten sie sich vor dem Zimmer, versuchten etwas, was im Zimmer vorging mitzubekommen oder gar mit Gewalt in das Zimmer einzudringen. Schließlich war es an der Zeit, die Darbietungen zu beginnen. In auffallende Gewänder gekleidet erschienen die Tänzerinnen. 

Schöne Tänzerinnen im Alter von 20 - 24 Jahren warfen ihr glänzendes langes Haar nach hinten und hielten ihre festen runden Brüste nur bis zur Hälfte bedeckt. Tüllbahnen, Samtwestchen und goldbestickte Röcke vervollständigten ihre Kleidung. Unter Tüllblusen wirkte die helle Haut wie unter einem durchsichtigem Schleier noch anziehender. Die Peiletten bestickten Samtwestchen schmiegten sich an die Linien der Körper und brachten den Busen besonders zur Geltung.

Mit metallenen Kastagnetten an den Fingern begannen sie zu tanzen, zu lebhafter Musik drehten und wendeten sie sich in aufreizender Weise. Im Bauchtanz ließen sie ihre Schultern erzittern, schwangen ihre Hüften nach rechts und links und warfen ihre Brüste förmlich in die Luft, sie tanzten sexy und verführerisch.

Die Tänzerinnen führten manchmal auch eine Art Theaterstücke auf. Sie zogen Männerkleidung an und benahmen sich wie Jünglinge, ließen damit natürlich die Herzen der Frauen höher schlagen. Frauen waren oftmals von dem Darbietungen dieser Tänzerinnen so angetan, dass sie sich selber vergaßen, ihnen anzügliche Bemerkungen zuriefen oder gar höflich, auch ganz offen mit ihnen anzubändeln versuchten. „Cengi“, diese Tänzerinnen hatten oft auch Geliebte, die entweder reich und verschwenderisch oder alte wohlhabende Witwen waren. 

Während der Vorführung warfen die Tänzerinnen diesen Frauen Kusshändchen zu oder sandten ihnen mit Augen oder Händen geheime Zeichen. Beim Tanz wandte man sich in der Hauptsache an die reichen Frauen und bemühte sich, neue Liebesbeziehungen aufzubauen. Man beschenkte die Tänzerinnen mit Goldstücken, die unter Flüstern übergeben wurden, wobei Einladungen oder Nachrichten ausgetauscht wurden.

Wenn Musik und Tanz dem Höhepunkt zustrebten, nahm der Wettbewerb unter den Tänzerinnen und ihren Geliebten zu. Ein Geldgeschenk folgte dem anderen. Musik und Tanz forderte die Zuschauer heraus und im Raum standen Rufe, anzügliche Bemerkungen, Gelächter und Seufzer. Auf Handzeichen oder Benachrichtigungen suchten die Tänzerinnen oftmals die Häuser ihrer Geliebten auf, verbrachten ihre Nächte auf Lagern aus Atlasseide in weichen, runden Armen.

Tänzerinnen die wegen ihrer Schönheit und Ausschweifungen berühmt waren, erinnern an Filmstars, denen man nachstellt. Ihnen wurden Lieder gewidmet, außerdem waren sie begehrt und bei den Darbietungen immer geladen. Sehr viele reiche Frauen waren sich im Harem zugetan und hielten junge hübsche Mädchen in Diensten, um ihrer Wollust Genüge zu tun. 
Sie scheuten sich auch nicht, den Tänzerinnen nachzustellen, deren Ruhm sich in Istanbul verbreitete.