Nach oben

seine Revolutionen

1. Die Aufhebung des Sultanats (1.11.1922):

Auf der 130. Sitzung der Großen Türkischen Nationalversammlung wurde das Gesetz Nr.308 ratifiziert, durch das das Sultanat aufgehoben wurde. Das osmanische Sultanat ging bis dahin von dem Vater auf den Sohn über.
Um mit der zerfallenen osmanischen Regierung gemeinsam nicht an den Friedensverhandlungen in Lausanne teilnehmen zu müssen, wurden demnach Sultanat und Kalifat voneinander getrennt. Der Regierung war Zusammenarbeit mit den alliierten Mächten vorgeworfen worden. Das genau 623 Jahre dauernde osmanische Sultanat nahm somit ein Ende. Der letzte Sultan, Mehmed Vahdettin VI., verließ das Land genau 16 Tage nach Ratifizierung des Gesetzes mit einem britischen Schiff. Fortan gelangte
die Souveränität des Landes in die Hände seines Volkes.

2. Die Aufhebung des Kalifats (3.3.1924):

Nach dem die Osmanen im Jahre 1517 von den Arabern das Kalifat antraten, blieb es bis 1924 in den Händen der osmanischen Sultane. Während dieser Zeit waren die Sultans Herrscher und Glaubensführer aller Muslime. 
Der osmanische Staat basierte auf einem religiös orientierten Fundament.
Obwohl Sultan Mehmed Vahdettin VI. ins Ausland floh und das Sultanat aufgehoben wurde, fanden sich immer noch Royalisten, die das Kalifat begrüßten, so z.B. auch das des letzten Kalifen Abdülmecid Efendi.
Aus diesen Gründen wurde das Kalifat anfangs beibehalten. Doch Abdülmecid verhielt sich währenddessen weiterhin wie ein Sultan. Am 3.März 1924 entschied die Große Türkische Nationalversammlung
die Aufhebung des Kalifats mit Gesetz Nr. 431. Die osmanische Dynastie - der Kalif und seine Verwandtschaft - wurden ins Exil verbannt. Am Morgen des 5. März 1924 verließen sie die Türkei. Somit wurden Religion und Staat endgültig voneinander getrennt.

3. Vereinigung der Schulen (3.3.1924):

Die Ratifizierung des Gesetzes Nr. 430 über die Vereinigung der Lehranstalten war der erste Schritt im Obergang zum Laizismus. Die religiös unterrichtenden Schulen für Geistliche und Richter wurden aufgehoben. Diese Schulen unterrichteten' nur Religion und lehrten nichts weiter als Ehrfurcht vor Gott. Alte Schulen kamen unter die Kontrolle des Erziehungsministeriums. Eine Schulpflicht wurde eingeführt. Im Jahre 1933 wurde die erste im heutigen Sinne moderne Universität eingerichtet.

4. Die Schließung der Derwischeskloster (2.9.1926):

Am 2. September 1925 entschied der Ministerrat durch ein Dekret Nr. 2493 die Schließung der Derwischenkelostern und religiösen Mausoleen. Die Orden als religiöse Institutionen wurden verboten.
Somit wurden den Quellen der religiösen Aufstände, so z.B. des Scheich – Said - Aufstandes, beseitigt. 
Eine aufklärende rationelle Weltauffassung wurde eingeführt.

5. Kleidungsreform (25.11.1926):

Durch ein Gesetz wurde ein Reform anerkannt, die die Bekleidung von Fez, weit gearbeiteten Hosen, Derwischesmützen, Schador usw. untersagte. Das tragen eines Hutes, statt des bis dahin traditionellen Fez wurde angeregt, Frauen waren vom Schador befreit.

6. Zeitreform (26.12.1926):

Das von der ganzen Welt anerkannte 24 Stunden - Zeitmaß wurde gesetzlich übertragen. Während der osmanischen Periode wurde die Zeit gerechnet nach der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka
nach Medina im Jahre 622. Durch die Zeitreform wurde der international anerkannte Kalender der christlichen Zeitrechnung angenommen. Der Zeitreform trat ab1.1.1926 in Kraft.

7. Reform in der Jurisdiktion (17.2.1926):

Im osmanischen Reich urteilten die Richter nach dem islamischem Gesetz, dem Koran. Solche Gerichte wurden am 8. April 1924 bereits aufgehoben. Übernommen wurde das Schweizer Zivilgesetz, das den türkischen Staatsbürgern im Hinblick auf persönliche Rechte und Beziehungen Modernität gewährte. Durch dieses Gesetz Nr.743 wurde die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, die Heirat durch das Standesamt und eine gerechte Erbschaft eingeführt.

8. Frauenrechte (17.2.1926):

Durch ein Gesetz wurde die Gleichheit von Mann und Frau vor dem Gesetz eingeführt. Die Frau erhielt im Alltag alle dem Mann gewährten Rechte. Die Frau durfte jeden Beruf aufnehmen. Dem Mann wurde die Ehe mit mehr
als einer Frau verboten. Gleichberechtigung galt auch bei der Scheidung. Bei Erbschaftsverhältnissen wurde eine Gleichberechtigung für Sohn und Tochter eingeführt. Im Jahre 1930 wurde den Frauen die Teilnahme an Kommunalwahlen, 1934 an den Parlamentswahlen gewährt. Fortan konnten Frauen ins Parlament gewählt werden.

9. Reform im Alphabet (1.11.1928):

Bis zu diesem Reform benutzten die türkischen Staatsbürger das vor Jahrhunderten durch den Einfluss der Araber und Perser entstandene arabisch –persisch -türkisches Alphabet. Die vielen arabischen und persischen Worte, die nicht in den Aufbau der türkischen Sprache passten, waren vor allem für die Kinder äußerst schwierig zu erlernen. Auf Anweisung Atatürks wurde im Jahre1927 ein linguistischer Expertenrat zusammengerufen, der dann das an die türkische Schreib – und Artikulationsweise passende lateinische Alphabet untersuchte.
Statt der alten arabischen Wörter wurden lateinische anerkannt. Folglich nahm schon in wenigen Jahren die Zahl der Analphabeten ab und viele Türken erlernten viel einfacher Fremdsprachen. Zahlreiche, in arabisch gedruckte Literatur und Fachbücher wurden ins türkische übersetzt und damit für die junge Generation gewonnen.

10. Veränderung der Maße (26.3.1931):

Statt der Maße wie Schritt (68 cm), Okka (1283 Gramm) oder Breite (60 cm) wurden international anerkannte Längen - und Breiten masse sowie Gewichtsmaße angenommen. Dies bewirkte erhebliche Erleichterungen im
Handel mit dem Ausland.

11. Türkische Institution für Geschichte (15.4.1931):

Die Türken haben in der islamischen Welt stets eine bedeutende Rolle gespielt. Osmanische Historiker haben diese Rolle im Hinblick auf den Islam sowie das Lebender Sultane auch aufgezeichnet. Hingegen traf man kaum
auf die Geschichte der Türken selbst, Dies bezüglich hat Atatürk die Gründung einer Institution für türkische Geschichte angeordnet, die dann auch eingerichtet wurde, um die Historie der türkischen Nation, die über eine tief verwurzelte große Geschichte verfügt, im Rahmen einer modernen Anschauung wieder zugeben. Denn die Geschichte der Türken beginnt nicht mit der Gründung des osmanischen Reiches oder dem Bestehender osmanischen Dynastie. Untersucht und festgehalten wurden insgesamt 120 türkische Staaten - darunter 17 unabhängige Imperien auf einer Geographie, die sich erstreckt von Zentralasien über Afrika bis hin nach Europa. Die Institution hat darüber zahlreiche Werke veröffentlicht und tut es weiterhin.

12. Institution für Türkische Sprache (12.7.1932):

In der osmanischen Periode war die arabische Sprache eine Sprache der Klosterschulen und somit der Geisteswissenschaft. Nachdem die alt türkische Sprache arabische als auch persische Wörter integrierte,
wurde sie erheblich degeneriert und eine Sprache der gehobenen Klasse. Um das Türkisch vor Degeneration zu bewahren und eine einheitliche Sprache entstehen zulassen, wurde denn auf Anweisung Atatürks im Jahre
1932 die Institution für Türkische Sprache gegründet.

13. Reform über Familiennamen (21.6.1934):

1934 wurde ein Gesetz Nr. 2525 ratifiziert, wodurch jeder Staatsbürger einen Familiennamen erhielt. 
Zuvor gab es Zunamen wie Aga, Haci, Hodscha, Mullah, Bey und Efendi. Durch das Gesetz wurden Irrtümer
bei den Einwohnermelderegistern vermieden und Erleichterungen im Alltag ermöglicht. 

Durch ein Gesetz vom 24.11.1934 wurde Mustafa Kemal der Nachname "Atatürk" verliehen 
(Vater der Türken). Er galt als Einzelname und dürfte durch ein weiteres Gesetz von keinem anderen angenommen werden.