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Neben dem Recht vier Frauen ehelichen zu können, hatten die
osmanischen Männer die Möglichkeit zum Luxus, zu Hause noch Mätressen zu halten. Außerhalb des Palastes kauften hohe Staatsbeamte
oder reiche Männer noch Frauen, die ihren Gelüsten Genüge tun konnten. Diese Frauen wurden Odalisken genannt.
Die Odalisken erstand man auf dem Sklavenmarkt oder bei Sklavenhändlern, die diesem Handel in ihren Häusern oblagen.
Diese
ausgesuchten Schönen vom Balkan, aus Europa, vom Mittelmeer, aus Kaukasien, Russland, Afrika und Arabien wurden in Istanbul als Ware
gehandelt und zwar im Verhältnis vom Umfang des Angebotes und der Schönheit her. Sie fanden immer Abnehmer.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es bei den Osmanen kein öffentliches Bordell. Schürzenjäger, die sich der Hurerei hingaben,
taten es geheim. Die Strafen für Frauen waren besonders hart. Aus diesem Grunde versuchte man einem Überfall von Nachbarn oder inflagranti ertappt zu werden, zu vermeiden.
Die meisten osmanischen Männern waren dazu geschaffen, ihren Geschmack zu verändern. Der
Besitz von vier Ehefrauen trug dazu bei, diese Eigenschaft zu vermehren. Daneben sahen die, deren Frauen hässlich, alt oder kränklich
waren, sich nach neuen Frauen um, ob man wollte oder nicht. Für reiche Männer gab es einen einfachen Weg, sie brauchten nur ihren
Geldbeutel zu öffnen und Odalisken nach ihren finanziellen Möglichkeiten
einkaufen.
Im allgemeinen wählte man weiße Odalisken im Alter zwischen fünfzehn und
zwanzig Jahren unter den schönen Gefangenen aus. Bekannte und bedeutende Persönlichkeiten gingen im Geheimen
und in Verkleidung in die Häuser der Sklavenhändler, ließen sich dort
die schönsten gefangenen Mädchen vorführen, sie kauften die, die ihnen gefielen und sandten sie in ihre Häuser. Einige Sklavenhändler
benachrichtigten vergnügungssüchtige, reiche Persönlichkeiten über die
angekommenen Mädchen und stiegen so in den Handel ein.
Es gab allerdings auch gefangene Mädchen, die sich dagegen wehrten, als Odaliske verkauft zu werden.
Mit den ausgewählten Mädchen wurde offen
geredet und die Zustimmung erbeten. Sklavenhändler gaben den schönsten Mädchen auch oft die Anweisung, ihre 'Zustimmung zu
verweigern, sie mischten sich dann sozusagen in den Handel ein, taten, als
wenn sie die Mädchen überzeugen würden und trieben so den Preis hoch. Manche Reichen bevorzugten
besonders junge Mädchen unter den Gefangenen, gaben sie in ihren Häusern in die Hand erfahrener
Lehrmeisterinnen, ließen sie erziehen und ihnen allerlei Fertigkeiten beibringen.
Wenn sie fünfzehn oder sechzehn Jahre alt geworden waren, machte man sie zu Odalisken. In jedem Falle
musste man die
Zustimmung der Hausfrau erbitten. Sonst blieb der armen Gefangenen kein anders Los, als auf den Sklavenmarkt zurückzukehren oder aus
dem Hause zu fliehen. Allerdings waren osmanische Männer vielfach Haustyrannen und verstanden es, ihre Ehefrauen zu überzeugen.
Sowieso lag es in ihrem Interesse, nachts die Odalisken auszutauschen und
so das vergnügliche Leben zu vergrößern. Einige Genusssüchtige ließen
die Schönen mit venusgleichen Körpern in den Wasserbecken der Hausgärten baden, verbrachten daraufhin ihre Nächte zwischen diesen
Odalisken auf atlasseidenen Lagern, und konnten sich den Luxus leisten, die Schönste
auszuwählen.
Odalisken standen in der häuslichen Ordnung höher als andere Sklavinnen. Für einige Odalisken gab es
sogar eigene Zimmer und auf die Bekleidung legte man großen Wert. Osmanische Wesire, die oftmals unermesslichen Reichtum ihr eigen
nannten, lagen in Wettstreit mit dem Harem des Sultans, was die Anzahl der Odalisken und ihre Schönheit betraf.
Sultane, die es auf Frauen abgesehen hatten, litten an der gleichen Krankheit wie die
Wesire. Während der ersten Jahre der Regierungszeit Sultan Mahmut II. war es Brauch und Sitte,
dass man hohen Persönlichkeiten statt
Bestechungsgeld schöne Odalisken darbrachte.
In solchen Zeiten schnellte
der Kaufpreis für schöne Mädchen enorm in die Höhe. Durch diesen Handel mit Lebenden gelangten die Sklavenhändler zu ungeheuerem
Reichtum.
Unter ihnen gab es sogar einige, die durch den Verkauf eines einzigen Mädchens zu Wohlstand gelangten. Ramiz Pascha, der
im Jahre 1808 das Amt eines Großadmirals innehatte, war wegen seiner großen Vorliebe für Frauen bekannt.
Eines Tages hörte er von einem Mädchen mit Namen Hatayi, die trotz Geschlechtsverkehr nicht
entjungfert war und, dass es auch andere Mädchen gab, denen so etwas gelungen war. Ramiz Pascha sandte sofort, als er davon erfahren hatte,
Leute zu allen Sklavenhändlern der Stadt, gab händevoll Goldstücke aus und kehrte Istanbul von unten nach oben.
Odalisken waren nicht nur schöne Weiße aus den verschiedenen Ländern. Es gab Männer, die arabische oder abessinische Schönheiten
bevorzugten. Diese dunklen Schönen kamen hin und wieder auch in den Palast der Osmanen.
Bis zur Inthronisierung Sultan Ahmet l. gab es im Palast weder eine arabische noch schwarze Sklavin.
Erst Sultan
Ahmet l. nahm eine sehr schöne und liebliche Abessinierin in den Harem auf. Allerdings erregte sie den Zorn der anderen Sklavinnen und
eines nachts wurde diese schöne Schwarze von eifersüchtigen Händen erwürgt.
In den Häusern der Reichen wurde darauf geachtet, dass ihre Zierde, die Odalisken nicht schwanger wurden. Schwangere wurden zur
Abtreibung mit verschiedenen Medikamenten gezwungen. Gutherzige Gebieter, die
so etwas nicht guthießen, gaben die Erlaubnis, das Kind auf die Welt zubringen und nach der Geburt ehelichten sie die
Odaliske und brachten sie in den Status einer Ehefrau. Im Yemen, den arabischen Ländern, in Tripolis und Bengasi
nahmen Gouverneure und hohe Staatsbeamten oftmals Dienstmädchen aus der Umgebung und verwendeten sie auch als Odalisken.
Diejenigen, die unter ihnen durch ihre Schönheit auffielen oder besonders
hübsch waren, wurden als Geschenk an einflussreiche Persönlichkeiten in Istanbul weitergereicht.
Osmanische Männer kannten keinen Rassismus. Für sie war Hautfarbe, Rasse, Sprache und Religion kein Unterscheidungsgrund.
Allerdings legten sie Wert auf das, was ihre Augen sahen; was ihr Herz beflügelte war wichtig und wenn ihr Vermögen reichte, war es nur
eine Sache des Augenblicks, das gewünschte in Besitz zu bringen. |