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In geschriebenen Texten, in Gedichten, Stadtbeschreibungen und Liedern findet man Spuren von diesen falschen Beziehungen. Einer, dem diese Art von Beziehungen in der Gesellschaft zuwider waren, hieß Mustafa Ali aus Gelibolu und lebte im 16. Jahrhundert. Er hinterließ eine Menge verschiedener Werke. Dieser berühmte Historiker erwähnte in seinem Buch "Mevaidü'n-nefaisfi kavaiddi'l mecalis", was mit "Erfahrungen und gesellschaftliche Vorschriften für Gastmähler und festliche Tische" zu übersetzen wäre, auch Homosexualität. ![]() Der Schreiber drückt sich nicht gerade in zurückhaltenden Worten aus, zuerst kritisiert er die sexuellen Verirrungen sehr unbarmherzig: "Die Gruppe der Wilden sind solche, die sich an kotigen Hinterteilen vergehen. Es sind die Wertlosen, Schürzenjäger, die keinen Pfennig wert sind. Es sind die, denen jede Öffnung recht ist, die nur auf eigene Lust versessen sind. Sie treiben es mit jeder und jedem diese schamlosen Lustknaben. Wer immer sich Mittel für die Lust verschafft, wie manche Frauen und ihre Geliebten ist Weggefährte des Teufels und von seiner Art. Wer sich selbst befriedigt ist als Betrüger zu bezeichnen, als Wahnsinniger. Zuhälter und schweinische Frauen sind Dreck, der auf Gewinn aus ist. Sie haben die Lustknaben gierig gemacht, haben sie angeheizt und ziehen daraus ihren Gewinn, das sind diejenigen, die sich auf dem gefährlichen Weg befinden. Um ihren Kunden einzuheizen, haben sie sich selbst in Erregung versetzt, diese Hurensöhne. Überall sind sie anzutreffen. Sie gehen herum und wackeln mit ihren Hinterteilen. Sie sind auch diejenigen, die am Rande der Stadt im Gebüsch alle Schlechtigkeiten treiben, Schweinehunde, die nehmen und geben." Der Schriftsteller erzählt unter der Überschrift "von der Gruppe Knaben, die noch keinen Flaum auf der Oberlippe und keine Barthaare haben" von den Eigenschaften der homosexuellen Männer bei den Osmanen. In dieser Beschreibung gibt er sogar Ratschläge wie: "so sind Lustknaben von guter Qualität, an die sollte man sich halten: "Heutzutage ist die Vorliebe für liebenswürdige Knaben, die kaum behaart sind, die noch keinerlei Bartwuchs haben und deren Glanz und Schönheit auffällig sind, größer als die für schöne und anziehende Frauen. Man kann nämlich Frauen, die man liebt, nicht in die Öffentlichkeit bringen, weil diese Beziehungen schwierig sind, muss man sie geheim halten. Die Tür für die Freundschaft mit Knaben ist allerdings immer offen. Man braucht sich vor niemandem verstecken und kann die Angelegenheit öffentlich oder geheim fortsetzen. Außerdem sind diese jugendlichen Milchgesichter ständig neben ihren Gebietern anzutreffen, sei es auf Reisen oder in der Stadt. Die mondgesichtigen Schönen aus dem Geschlecht der Frauen können jedoch niemals Reisebegleitung sein oder sich neben den Männern zeigen. Die Knaben von unbehaarter Art sind entweder Hurensöhne aus Arabien oder Jungen aus Anatolien, von denen der Vater nicht bekannt ist. Die Knaben aus der Provinz Rumeli sind schön und sanft, die Lustknaben aus dem Land Bosnien und Herzegowina erfüllen bereitwillig alle Wünsche. Ihre Schönheit und Anziehungskraft hält unwahrscheinlich lange an, Knaben aus keinem anderen Land reichen an sie heran. Die meisten behalten bis zum dreißigsten Lebensjahr ihre schönen Gesichter und bleiben frei von Behaarung, die den Besitzern nur Kummer bereiten würde. Die Knaben aus Anatolien stehen auch hinter den verspielten, schwer zu bändigenden Jungen aus Arabien in ihrer Schönheit zurück, die Schönheit ist nicht von langer Dauer. Kaum sind sie zwanzig Jahre alt verlieren sie an Anziehungskraft und sind für die Liebe nicht mehr zu gebrauchen. Die mit den schmalen Landen aus Edirne, Bursa und Istanbul sind in jeder Richtung fehlerlos zu nennen und sind allen anderen voraus. Ihre Schönheit und Anziehungskraft mag auch zu wünschen übrig lassen, so sind sie dennoch von unbeschreiblicher Frische, von Süße und ihre Ziererei und Koketterie ist sehr liebenswert. Unbehaarte Kurden sind allerdings von Geburt an Knabenliebhaber und trotz aller Erfahrungen stets gesund, sanft und anschmiegsam. Welche Wünsche auch immer geäußert werden, sie hören zu und versuchen sie fast immer zu erfüllen. Sowieso färben sie ihre Körper unter der Gürtellinie mit Henna und schmücken sich. Kurz, man sollte sich lieber an die Knaben aus Rumeli halten, bevor man seine Vorliebe für die schöngesichtigen Knaben mit silberner Haut, von hoher Statur und wiegendem Gang kund tut. Auf Tscherkesen mit schönen Gesichtern und gebürtigen Kroaten, deren Atem angenehm duftet, solle man auf keinen Fall verzichten und man sollte ihnen nicht überdrüssig werden. Die Knaben aus Edirne, Bursa und Istanbul sind zwar zärtlich, allerdings gibt es unter ihnen auch treulose, die uns betrüben, die grausamen Schönen. Wer solche besitzt, der hat weder Ruhe noch Bequemlichkeit. Albanische Jünglinge verstehen das Herz ihrer Liebsten zu erobern, sind aber sehr dickköpfig. Georgische und russische Knaben können den anderen niemals das Wasser reichen. Ungarische Jungen sind diejenigen, die uns glücklich machen, es sind die angenehmen und beliebten Schönen. Dass sie allerdings auch ihre Herren hintergehen und mit anderen zusammenleben ist nicht richtig. Was aber erstaunlich ist, dass Knabenliebhaber aus Ägypten sich abessinischen Negerknaben hingeben. Eigentlich sind abessinische Jünglinge Meister im Bett und lieben im Haus reine und prächtige Lager, sie sind sowieso häuslich. Sie passen sich jeder Situation an und geben nichts darauf, ob sie mit Männer oder Frauen zu tun haben. Sie sind die Schönen, die stets zufrieden sind." Der gleiche Hofschreiber macht den Sultan auch auf homosexuelle Beziehungen im Palast der Osmanen aufmerksam. Er berichtet in aller Offenheit, was sich da tut und bittet notwendige Maßnahmen zu treffen: "Zwischen den Babüs saadet (2. Palasttor) und Bab-i Hümayun (1.Tor) des Topkapi Palastes, wo sich der so genannte Palast für die Kranken und die Badezimmer befinden, gibt es eine kleine Villa. Dort lebt ein Eunuch und Bedientester. Wenn jemand von den Pagen am Hofe verlangen nach Knaben hat, benachrichtigt er Knaben, mit denen er befreundet ist. Sie holen sich Erlaubnis vom Eunuchen und kommen einzeln in den Krankenpalast. Diejenigen, die schon früher mal hierher gekommen sind und es mit dem Arzt oder mit den Dienern getrieben haben, waren sehr erleichtert, inzwischen haben sie sich an diese Vergnügen gewöhnt. Sie kommen jeder für sich hierher, bleiben nachts zu zweit in den Krankenzimmern und geben sich wechselseitig dem Genus hin. Sie geben und nehmen. Sie bringen auch Kranke mit
Wagen her und schleppen auch solche an, die Injektionen zu bekommen haben. Die Pagen sollen sogar eine Reihenfolge für diese Dienste
aufgestellt haben. Um körperliche Erleichterung zu finden, gehen sie ständig
dorthin." |