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Der Hofdichter Fazil Bey (1759-1810) war eine schillernde Persönlichkeit, rühmte sich sogar, homosexuell zu sein und schrieb auf Drängen seines
Lebenspartners über die schönen Männer (Homosexuelle) und die schönsten Frauen der Welt ein Buch.
Hier sind nachfolgend einige Passagen aus dem Buch, das 1784 erschien.
Es sind Abschnitte, in denen von den Frauen Istanbuls die Rede ist.
Die Frauen von Istanbul:
Die schönste Stadt auf der Welt ist Istanbul. In dieser Stadt finden die Schönen und schöne Frauen wahres Leben.
Gott hat dieser Stadt Schönheit und gute Angewohnheiten gegeben. Wer hier geboren wird, besitzt rosigen Teint, die Farbe ist wie die
der Rose. Die Eleganz des Ganges der Schönen versucht alle Welt
nachzuahmen.
Die Angewohnheiten der Schönen dieser Stadt sind sehr
unterschiedlich.
Die erste Gruppe der Frauen Istanbuls:
Es sind diejenigen, die hinter den Gardinen leben und sich nicht mal beim Jüngsten Gericht sehen lassen. Sie fühlen sich daheim wohl,
sind unter Silber wie Rubine.
Sie gleichen Rosen in Vasen und Papageien, die in Käfigen gefangen sind. Die Locken auf der Stirn hat kein
Morgenwind berührt, ihre Gesichter hat nicht einmal die Sonne gesehen. Sie sind Symbol der Ehrenhaftigkeit und Tag und Nacht zu Hause.
Die zweite Gruppe der Frauen Istanbuls:
Wenn sie auch nach außen sehr ehrenhaft wirken, sind sie alle mannstolle Frauenzimmer. Sie ziehen alle möglichen Arten von bunten
Kleidern an. Ihre lilafarbenen Gesichtsschleier bringen einen um den Verstand. Sobald sie ihre Schönheit entsprechend unterstrichen haben,
begeben sie sich auf Männerjagd. Eine oder zwei Sklavinnen hinter sich, gehen sie auf den Basar und wandern von Geschäft zu Geschäft.
Kokett schwingen sie beim Gehen ihre Hüften. Verkäufer, die ihnen in die Augen fallen, oder Geliebte, die sich in
den Geschäften aufhalten, werden von ihnen kokett oder tändelnd aufgesucht. Um sich bemerkbar zu machen, fragen sie: "Haben sie etwas
für mich?", was natürlich doppeldeutig zu verstehen ist.
"Wenn die Ware nichts taugt, brauchst du sie erst gar nicht zu zeigen. Wenn sie gut ist, können wir zum Handel kommen.
Miss aber erst
mal ab. "Diese Worte sind wie ein Lösungswort. Alle weiteren Worte werden sündhaft. Der Mann schaut lüstern auf das rosige Gesicht der
Frau, das hinter einem durchsichtigen Schleier verborgen ist und auf ihre
Henna gefärbten Finger und lässt sich verführen. Die Frau fängt so den Mann und nimmt ihn mit zu sich nach Hause. Der Ehemann ist nicht daheim, denn er ist bereits im Morgengrauen zur Arbeit geeilt. Er
hat genug zu tun und weiß nicht, was sein mannstolles Weib treibt.
Die dritte Gruppe der Frauen Istanbuls:
Das sind diejenigen, die überall zu sehen sind, mannstoll und Beschäftigung suchend. Sie haben geschminkte Augen, weiche Gesichter,
können gut reden und blicken schmachtend. Ein Teil von ihnen ist boshaft.
Sie schminken sich sehr auffällig.
Oft sind sie hässlich. Wenn
sie ins Badehaus gehen, nehmen sie alle möglichen Salben und Mittelchen mit sich, weil sie meinen durch die Anwendungen , ihre Jugend
wieder zu erlangen. Diese Dirnen können überhaupt nicht miteinander auskommen. Wenn sie sich begegnen, beschimpfen sie sich und fangen
sofort an zu streiten.
Die vierte Gruppe der Frauen Istanbuls:
Früher kannte man diese Art von Frauen nicht, es ist eine neue Gruppe von Frauen, die sich plötzlich
zeigt. Es sind Lesben. Das ist natürlich eine üble Überraschung für Frauen. Sie verlieben sich
ineinander und schenken sich ihre Herzen. Für den Geschlechtsverkehr haben
sie Listen erfunden. Ihre List besteht darin, ein Werkzeug zu verwenden, das dem männlichen Organ ähnlich ist. Eigentlich schäme ich
mich es zu nennen, es heißt "Zibik".
Frauen, die diesen Weg einschlagen, haben saubere Angewohnheiten, sind liebenswürdig und gebildet.
Jede von ihnen würde ihr Leben für die Geliebte opfern.
Sie schauen nie jemand anders an. Mit ausgewählten Worten machen sie sich Komplimente und sagen sich Artigkeiten. "Meine Schöne, mein
Rosengebinde, mein Herzblatt, oh meine Perle, guten Morgen..." oder "meine
silberhäutige Geliebte... Wo bist du, meine Einigste... Willst du uns auf
morgen vertrösten.. Meine rosenrote, meine feurige Frau, ich will mich dir opfern.. "Nach diesen Koketterien
lassen sie sich miteinander ein.
Ich habe mir überlegt, warum sich dieses Gehabe unter den Frauen verbreitet und bin zu dem
Entschluss gekommen. Wahrscheinlich
haben sie genug von aller Art männlicher Organe, die sie zur Genüge gesehen haben.
Frauen, die genug von Männern haben, wenden sich
schönen Frauen zu. Wenn sie allerdings gut aussehende Jünglinge
treffen, berichtigen sie ihre Neigungen. Diese Wege führen sowieso zu nichts, entweder menstruieren sie oder sind schwanger... Sie müssen
halt sehen, wie sie miteinander fertig werden. |