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Ein grosses Geheimnis

Eines der geheimnisvollsten Wörter der Osmanen heißt: Harem. 
Es ist ein Platz, der bei jedem Fremden aus Ost oder West, ob Mann oder Frau ein großes Interesse erweckt. 
Harem heißt kurz, der Ort, an dem fremden Männern der Eintrittverboten ist. Jeder Sultan, jeder osmanische Mann, dem es sein Reichtum erlaubte, hatte an dem Ort, wo er lebte für seine Frauen, Kinder und Sklavinnen eigene Trakte oder Gebäude zu errichten. 
Die Religion verbot anderen Männern nämlich, die Frauen anzusehen. Aus diesem Grunde lebten Frauen in den für sie eigens vorgesehenen Wohnungen.  Diesen privaten Gemächern gab man den Namen Harem.

Die Orte, an denen die Männer zusammenkamen und wo sie sich unterhielten hießen Birun oder Selamlik. Diese beiden Plätze lagen im allgemeinen nebeneinander und waren durch eine Tür verbunden, allerdings lagen Korridore und dicke Mauern dazwischen.

Wenn man aber heutzutage das Wort Harem gebraucht, denkt man an den Harem der osmanischen Sultane und ganz besonders an den Gebäudekomplex des Harems im Topkapi Palast. 

Ein anderer Name für den Harem der Sultane war "Darü's-saade", Haus des Glücks. Dieses Liebes- und Glücksnest, in dem die ausgewählten Schönheiten der Welt versammelt waren, gehörte einem einzigen Mann. Kann man sich einen schillernden Traum als diesen für einen Mann vorstellen?

Die Anzahl dieser ausgewählten Frauen im Palast der Osmanen fiel nie unter die Zahl von dreihundert, im 19. Jahrhundert stieg sie sogar auf achthundert an. Mit anderen Bewohnern des Harems zusammen lag die Anzahl der Personen nie unter tausend.

Diese Gemeinschaft lebte ständig nach strengen Regeln und sie übernahm lebenswichtige Rollen für das Reich der Osmanen. Der Harem war ständig ein aktuelles Thema für europäische Schriftsteller, das sie mit phantasievollen Artikeln verbreiteten. Wir werden einen Blick auf diese verbotene Stadt oder dieses künstliche Paradies und seine Ereignisse werfen. Personen und Geschehnisse sollen durch Beweismittel und die Zungen von Zeugen weitergegeben werden. Sie können sicher sein, dass ihre Augen von der bunten Welt, die Harem heißt, geblendet
werden. 

Das Leben im Palast und im Harem begann im Jahre 1365 unter  Sultan Murat l., als er in Edirne das Cihannüm Kasri, ein Lustschloss, erbauen ließ. Von einem eigentlichen Palastleben und dem Harem kann man allerdings erst nach der Eroberung Istanbuls im Jahre 1453 reden. 

Der bekannteste Palast der Sultane in Istanbul war der Topkapi Palast, aber es wurden auch größere oder kleinere Kioske und Paläste der Jahreszeit gemäß genutzt. Die Paläste der Osmanen lagen in großen gepflegten Gärten und waren mit Wasserbecken und unvergleichlichen Verzierungen ausgestattet. 

In diesem künstlichen Paradies kamen die rothaarigen, weißhäutigen Liebreizenden aus dem eisigen Irland, indische Mandeläugige mit ebenholzfarbigen, säulenschlanken Schönen aus dem Sudan zusammen.

Diese Schönen bekamen Sklavenhändler oft als Kriegsbeute in die Hand oder aber sieeine Sklavin wurden von Leuten, die von Land zu Land zogen, mit Geld den Familien abgekauft, um sie dem Hofe zuzuführen und sich dadurch Vorteile beim Sultan zu verschaffen. Was den Sultan und die Wesire am meisten erfreute, waren schöne Sklavinnen, die ihnen zum Geschenk gemacht wurden. In den Parkanlagen, die von uralten Bäumen beschattet waren, in Lauben, die von Ranken umgeben, mit weißem Yasmin und anderen gut riechenden Blumen bestanden waren, erfreute sich der Sultan bis in den Morgen an mit leichtem Tüll bekleideten Schönheiten, die sich um ihn herum bewegten.

Die schönsten Frauen der Welt lebten im Harem in einer festen hierarchischen Ordnung. 
Wir wollen diese Frauen ganz kurz kennen lernen.

Die Hauptfiguren im Harem waren:
Valide Sultan, die Mutter des Sultans: Sie ist nach dem Sultan die einzig Regierende. Weil Sultane sehr oft in jungen Jahren den Thron bestiegen, war sie nicht nur Verwalterin im Harem sondern führte auch das Land.

Bas Kadin Efendi, oder auch Bas Haseki (Hauptfrau): Die Frau die der Sultan am meisten liebte. Die Frau, die dem Sultan sein erstes Kind gebar.

lkballer: Frauen mit denen der Sultan eine Beziehung und Frauen, die dem Sultan Kinder geboren hatten. Sie wurden auch Haseki genannt. Sie galten als rechtmäßige Frauen des Sultans. Der Anzahl nach waren es mindestens vier, höchstens aber sieben.

Gedikli Kadin: Es waren erfahrene Sklavinnen, die dem Sultan privat zu Dienste standen. Sie wuschen den Sultan zum Beispiel im Bad.

Odalisken: Die jungen Dienerinnen des Sultans. Mit diesen Frauen schlief der Sultan und sie gebaren ihm auch Kinder.

Gözde: Es waren junge und schöne Sklavinnen aus dem Harem, die das Bett mit dem Sultan geteilt und sich seine Liebe erworben hatten.

Cariye: Es waren die Dienerinnen im Haremskomplex. Wenn sie den Sultan auf sich aufmerksam machen konnten, wurden sie "Gözde".

Als Wächter der Haremsfrauen verwendete man schwarze Eunuchen. 
Es waren Kinder von Schwarzen, die aus Äthiopien und dem Sudan entführt worden waren und mit speziellen Methoden kastriert wurden. 
Ihnen oblag auch die Verbindung zwischen Außenwelt und Harem. 
Den Eunuchen, Hadimagalari, stand ein "Kizlaragasi" vor. 

Es war der Eunuch, der für die Sicherheit des Harems verantwortlich war. 
Er suchte die Sklavinnen aus und schlug auch Beförderungen im Harem vor.
Die Sklavinnen, die in den Harem aufgenommen werden sollten, mussten einen schönen und makellosen Körper besitzen. Die Sklavinnen führte man der Hauptfrau vor, sie genossen dann eine Erziehung durch die Meistersklavinnen. 

Der Sultan nahm niemals Sklavinnen, die am ersten Tag im Harem waren, zu sich ins Bett. Für Sklavinnen, die sich im Harem eingewöhnt hatten, war es ein einziges Ziel, dem Sultan aufzufallen und von ihm erwünscht zu werden. Auf diese Weise konnten sie die Stellung einer Gefährtin des Herrschers eines so mächtigen Reiches erlangen. Es gab für ein Dorfmädchen, das einzig seine Schönheit als Vorzugvorweisen konnte, kein größeres Glück.

Um dem Sultan zu gefallen, kleideten sich die Sklavinnen in auffallende Gewänder, schmückten sich und wenn der Sultan einen Blick auf sie warf, zeigten sie sich sehr kokett und setzten ihre ganze Anziehungskraft ein. 

Der Sultan allerdings zeigte sich der Sklavin gegenüber nicht beeindruckt und äußerte kein Wohlgefallen. Ein Bedientester, der sich immer direkt hinter dem Sultan befand, erkannte allerdings an den Blicken, die der Sultan auf die Sklavin warf, ob er Interesse an ihr hatte oder sich nach ihr sehnte. 

Es kam auch vor, dass dem Kizlaragasi, dem Obersten der Eunuchen, eine Nachricht gesandt wurde und der bat, eine bestimmte Sklavin vorzubereiten.

Diese glückliche Sklavin wurde sogleich für das Treffen mit dem Sultan hergerichtet. 
Sie wurde ins Bad geführt, von den anderen Sklavinnen gewaschen, alle Haare wurden entfernt, man rieb sie mit Wohlgerüchen ein und kleidete sie elegant. Daraufhin brachten die anderen Sklavinnen sie unter Gesängen und mit Musik bis zum Schlafzimmer des Sultans.

Nachdem das Mädchen in den Schlafraum eingetreten war, näherte es sich kriechend, dem Sultan, der auf dem Bette lag und kam vom Fußende aus in das Bett.

Ein Knabe, der bei dieser Vereinigung gezeugt wurde, veränderte sofort das Schicksal dieser Sklavin. 
Wenn sie mit den Vorzügen ihrer Weiblichkeit dem Sultan gefiel, konnte sie eine seiner ständigen Gemahlinnen werden.