Nach oben

seine Reden

Aus der Kundgebung zu Amasya (22.Juni 1919):

"Das Vaterland und die Unabhängigkeit und Freiheit der Nation schweben in Gefahr. Da sich unsere zentrale Regierung unter dem Einfluss und der Kontrolle der Entente befindet, kann sie die von ihr übernommene Verantwortungsfunktion nicht erfüllen. Diese Situation stellt unsere Nation als nichtig dar. Die Unabhängigkeit und Freiheit unserer Nation kann nur durch die entschlossene Willenskraft der Nation selbst wiederhergestellt werden. Es bedarf der Gründung eines von Einfluss und Kontrolle befreiten nationalen Rates, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Lage der Nation und das Recht zu lenken, Dies bezüglich wurde beschlossen, in der aus jeder Sicht sichersten Stadt in Anatolien, Sivas, einen nationalen Kongress ein zu berufen. Hierfür bedarf es der dringlichen Anreise je dreier Personen aus jeder osmanischen Provinz, ungeachtet darauf, welcher Partei sie angehören, aber mit der Voraussetzung, dass diese Abgesandten fähige Menschen sind und über das Vertrauen der Nation verfügen. Trotz allem ist es erforderlich, diese Sache möglichst geheim zu halten, keinen Aufruhr zu erzeugen und an erforderlichen Orten die Anreise ohne Aufsehen anzutreten.."

Aus der Eröffnungsrede des Kongresses zu Erzurum (23.Juli 1919)

"Sehr geehrte Delegierten!

Ich bedanke mich für das erwiesene Vertrauen und den Beistand, den der Kongressrat dadurch gezeigt hat, dass man mich zum Vorsitzenden wählte. Aus diesem Anlass erlaube ich mir einige Worte zu sprechen: Meine Herren, man kann sich nicht erdenken, dass es auch nur einen einzigen Vaterlandspatrioten geben kann, der angesichts der durch den Verlauf der Geschichte entstandenen Lage in unserem Land nicht die blutigen und finsteren Gefahren erkennt und aus diesem Grunde etwa nicht in Betrübnis verfällt.

Gegen Ende des Weltkrieges hat sich unsere osmanische Regierung infolge vernommener Worte über den Grundsatz ein Volk zu werden, mit der Absicht einen gerechten Frieden zu erreichen, dem Abkommen angeschlossen. Unsere Nation, die für Unabhängigkeit mit dem aus ihrem Stolz geschöpften Mut gekämpft hat, hat durch dieses am 30 Oktober 1918 unterzeichnete Abkommen die Waffen niedergelegt..."

Aus der Ansprache im Kongress zu Sivas (4.September 1919):

‚Sehr geehrte Herren!

Der durch Ihre Absicht, das Vaterland und die Nation zu retten, entstandene verleitende Wille hat Sie trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse hier in Sivas versammelt. Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer mutigen Willenskraft und heiße Sie herzlichste willkommen. Meine Herren, bevor Ihr Rat die Gespräche über die Befreiung aufnimmt, bitte ich Sie um die Erlaubnis mir einige Worte zu gewähren. Wie Sie wissen, wurde am 30. Oktober1918 mit den Ländern der Entente ein Abkommen unterzeichnet. Unsere Nation hoffte dadurch auf einen gerechten Frieden. Aber die Bestimmungen im Abkommen zwangen zu Ausübungen, die sich gegen das Interesse unseres Vaterlandes und unserer Nation richten. Die Christen in unserem Lande, die Mut schöpften aus den Ländern der Entente, haben sich in verrücktem Maße dazu aufgetan, den Stolz unserer Nation zu brechen. In Westanatolien sind Griechen unter den billigenden Blicken der Länder der Entente mit barbarischer Wut vorgegangen...'

Protest gegen die Besetzung Istanbuls (16. März 1920):

‚An die politischen Repräsentanten Englands, Frankreichs, Italiens in Istanbul, die politischen Repräsentanten der Vereinigten Staaten von Amerika, die Auswärtigen Ämter aller unabhängiger Staaten, die Abgeordneten der französischen, englischen und italienischen Parlamente und den italienischen Repräsentanten in Antalya:

In Istanbul sind alle offiziellen Ämter - einschließlich das Parlament, welches die nationale Unabhängigkeit repräsentiert - von den Streitkräften der Länder der Entente besetzt und zahlreiche innerhalb nationaler Zwecke handelnde Vaterlandsfreunde verhaftet worden. Dieser jüngste Hieb gegen die Souveränität und politische Freiheit des osmanischen Volkes richtet sich nicht nur gegen uns Osmanen, die wir fest entschlossen sind um jeden Preis unsere Existenz zu verteidigen, sondern auch gegen alle Werte, die die Zivilisation und Menschheit des 20. Jahrhunderts als heilig betrachtet. Errichtet sich gegen alle Pfeiler der modernen Gesellschaft, wie Freiheit, Volksverbundenheit und Vaterlandsliebe...'

Aus dem Appell an Armee und Nation (5.August1921):

Gegen die auf uns stürmende Feinde, die in einer für uns schwachen Zeit nach dem Weltkrieg auf uns kam, um uns zu zerstören, hat sich die ganze Nation zusammengetan und bedeutende Armeen zusammen gestellt. Unsere Nation, die unvergleichbar und mit großer Aufopferung an vielen Fronten ihr Recht verteidigt hat und in den Schlachten bei Sakarya die stürmischen Armeen der Griechen zweimal niederschlug, verfügt mit ihrer nationalen Armee über einen so tiefen Glauben, dass der Feind sich gezwungen sah, die ganze griechische Militärkraft in Anatolien anzustauen, obwohl sich ihr König an deren Spitze befand. Nach den Kämpfen an der Westfront haben unsere Armeen nichts von ihrer Willenskraft verloren...'

Appell aufgrund des Sieges in Sakarya (14.9.1921):

'Die Griechische Armee, die unser heiliges Land betreten hat um nach Ankara zu gelangen, ist besiegt worden nach einem Kampf von 21 Tagen. Die Armeen des Feindes wurden im Osten des Sakarya – Flusses vernichtet. Sie haben sich nicht vorstellen können, dass die türkischen Soldaten wie eine eiserne Wand vor ihnen stehen würde....'

Appell an die türkische Jugend / Letzte Seite der Großen Ansprache
vom 20. Oktober 1927

"Türkische Jugend, es ist stets Deine erste Aufgabe, die türkische Unabhängigkeit und die türkische Republik bis in alle Ewigkeit zu schützen und zu verteidigen. Dies ist der Grundstein für Deine Existenz und Zukunft. Dieser Grundstein ist Dein teuerster Schatz. Auch in Zukunft wird es verleitete Menschen geben, die dich Deines Schatzes berauben wollen. 
Im Ausland und auch innerhalb des Landes. Solltest du eines Tages genötigt sein, die Unabhängigkeit und die Republik zu verteidigen, so erfülle diese Aufgabe ungeachtet auf Deine Dir gebotenen persönlichen Möglichkeiten und Bedingungen.

Deine Freiheit und die Republik können von Feinden mit schlechten Absichten bedroht, alle Institutionen besetzt und jede Ecke des Landes feindlich errungen worden sein. Und noch schlimmer als dies: Es können Personen, die das Land regieren, auf den falschen Pfad geraten sein und ihre Macht missbrauchen. Die Nation kann in Armut, Ausweglosigkeit und Erschöpfung geraten sein. Kinder der türkischen Zukunft, unter all diesen Umständen selbst, ist es Eure Aufgabe, die türkische Unabhängigkeit und Republik zu retten. Die Kraft, die Ihr dazu braucht, fließt im adligen Blut Eurer Adern. 

"Rede zum Anlass des 10. Jahres der Republik(29.Oktober 1933):
"Türkische Nation, Wir stehen im 15. Jahr seit Aufnahme unseres Befreiungskriegs. Heute feiern wir das zehnte Jahr unserer Republik -
den größten Feiertag.

In diesem Augenblick befinde ich mich als ein Mitglied des großen türkischen Volkes in tiefster Freude und Aufregung. Meine verehrten Landesgenossen, Wir haben viel vollbracht in kurzer Zeit. Unser größtes Werk ist die Republik, in deren Fundament sich hohe türkische Kultur und türkische Heldentum birgt. Diesen Erfolg verdanken wir dem kräftigen Willen Zusammenschluss der türkischen Nation und ihrer Armeen. Aber, was wir vollbracht haben, kann niemals ausreichend sein. Denn wir sind verpflichtet noch größeres und mehr zu vollbringen. Wir werden unser Land auf die Ebene zivilisiertester und wohlanständigster Länder bringen. Daher müssen wir, wenn wir die Zeit als Maßstab nehmen, nicht an die flexible Gesinnung vergangener Jahrhunderte, sondern an die Schnelligkeit und Tatkraft dieses Jahrhunderts denken und uns danach orientieren. Wir müssen mehr arbeiten als früher, müssen in kurzer Zeit viel vollbringen. Ich hege keinen Zweifel, dass wir das schaffen werden. Denn die türkische Nation verfügt über einen gehobenen Charakter.

Die türkische Nation ist fleißig. Die türkische Nation ist intelligent.  
Denn sie hat es gewusst, durch ihre nationale Einheit und Beisammensein Schwierigkeiten zu überwinden. Denn die Fackel, die die türkische Nation auf ihrem Weg zum Fortschritt und zu Zivilisation in ihren Händen hält und ihrem Kopf wahrt, ist die Wissenschaft. Auch möchte ich unterstreichen, dass es unser nationales Ideal ist, unseren unerschöpflichen Fleiß, unsere Intelligenz, unsere Verbundenheit zur Wissenschaft, unsere Liebe zu den bildenden Künsten und unsere Emotionen über nationale Einheit unaufhörlich und mit jeglichen Mitteln und Maßnahmen zu fördern und zu entwickeln. Dieses Ideal, das zur türkischen Nation passt, wird die Nation auf ihrem Weg, dieses Ideal in den Dienst des Friedens der ganzen Menschheit zu stellen, erfolgreich machen.

Große türkische Nation, ich habe während unserer Arbeiten, die wir in den vergangenen 15 Jahren aufgenommen haben, viele Worte gesprochen, die dir Erfolg versprachen. Es ist meine große Freude, dass ich durch meine Worte nichts verfehlt habe, was das Vertrauen, das mir meine Nation gegenüber pflegt, gestört hätte. Und heute sage ich mit gleichem festen Glauben und Sicherheit, dass die türkische Nation, die in fester Einheit ihrem Ideal zuläuft, sehr bald von der ganzen zivilisierten Welt als eine große Nation anerkannt werden wird. Ich habe keine Zweifel darin, dass die große vergessene Zivilisationseigenschaft der Türken fortan in ihrer Entwicklung wie eine neue Sonne am Horizont der zukünftigen gehobenen Zivilisation aufgehen wird.

Türkische Nation, ich wünsche mir zutiefst aus meinem Herzen, dass dieser große Nationalfeiertag in den kommenden, sich bis in die Ewigkeit erstreckenden Jahrzehnten mit noch größerer Freude, größerem Frieden und Wohlstand gefeiert wird. Welch Freude demjenigen, der sagen kann, dass er ein Türke ist.'

Ansprache zu Canakkale (1934):

Die von Atatürk für die in den Schlachten bei Dardanellen gefallenen Soldaten der fremden Mächte verfasste Rede wurde von damaligem Innenminister Sükrü Kaya vorgelesen:

'Märtyrer, die ihr auf diesem Boden Euer Blut vergossen habt, Ihr ruht hier auf einem Boden, einem Land, das Euer Freund ist. Ruht in Frieden. Ihr liegt nun Seite an Seite mit den türkischen Soldaten.

Mütter, die ihre Söhne aus fernen Ländern in den Krieg geschickt habt, stillt Eure Tränen. Eure Söhne sind in unseren Herzen. Sie ruhen in Frieden und sie werden in Frieden ruhen. Eure Söhne sind, da sie auf diesem Boden fielen, nun auch unsere Söhne geworden.'

Rede zum Anlass des 15. Jahrestages der Republik(29.10.1938)

Die folgende Rede wurde vom Ministerpräsidenten Celal Bayar im Namen von Atatürk verlesen, weil Atatürk krank im Bett lag:
"Heldenhafte Türkische Armee, deren Siege und Vergangenheit mit der Geschichte der Menschheit beginnt! Ich habe keine Zweifel, dass du Deine Aufgaben in der Zukunft so sorgfältig wie in der Vergangenheit erfüllen wirst.

Heute und hier möchte ich dir meinen besten Dank im Namen der Türkischen Nation aussprechen. Ich gratuliere zum 15. Jahr der Republik."