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Weder die strengen Sitten des Islam, das Verschließen der Frauen
hinter käfigähnliche Gittern, noch die Möglichkeit osmanischer Männer bis zu vier Frauen zu ehelichen und unzählige Sklavinnen zu
halten, verhinderten, dass auch das älteste Gewerbe der Welt bei den Osmanen ausgeübt wurde.
Wer sich bei freiwilligem oder erzwungenem
Ehebruch ertappen ließ, für den waren bereits 1512 durch die Gesetzgebung Sultan Yavuz Selims folgende Strafen vorgesehen:
"Verheiratete Männer, deren Ehebruch erwiesen ist, werden, wenn sie vermögend sind, mit vierhundert Akce (Münzeneinheit), wenn sie
zum Mittelstand gehören mit 200 Akce und wenn sie bedürftig sind mit 100 Akce Geldstrafe belegt. Wenn sie sehr arm sind, solle man ihnen
fünfzig Akce abnehmen. Falls ein unverheirateter Mann Ehebruch begeht, sollen vom Reichen hundert
Akce, von einem Mann des
Mittelstandes fünfzig Akce einem Armen dreißig Akce eingezogen werden.
Wenn aber Frauen Ehebruch treiben, sollen sie die Geldstrafen an ihre Ehemänner entrichten.
Sklavinnen zahlen bei Ehebruch, den sie
begehen, die Hälfte der Strafe, die Freie entrichten."
Diese Strafen, die bereits am Anfang des Gesetzbuches aufgeführt werden, zeigen uns,
dass Handel mit freiwilliger und bezahlter Liebe im
Zunehmen begriffen war. Sie sind natürlich auch darauf aufmerksam geworden,
dass der Staat bei diesem Handel einen Gewinn einstrich.
Die Namen und den Leumund von den ersten Dirnen finden wir in Dokumenten aus dem Jahre 1565.
Leute aus dem Stadtteil Sultangir am
Goldenen Horn ersuchten den Richter und beschwerten sich über fünf Frauen in ihrer Nachbarschaft. Die "dienstälteste" Arap Fati war die
Eigentümerin des Bordells.
Die anderen ungezogenen Frauen hießen Narin, Nefise aus Kreta, Kamer und Yümmi aus
Baltali, die in diesem
Zusammenhang genannt wurden. An den Namen kann man erkennen, dass sie
Muslime also waren.
Der Richter ließ den Besitz der Frauen
veräußern und sandte sie in Verbannung aus der Stadt hinaus.
Ein Teil dieser Huren, die aus der Stadt verbannt worden waren, wurde als Tänzerin durch Anatolien geschleift. Der jeweilige Führer
dieser Tanzgruppen schlug vor den Städten ein Zelt auf, in dem er die Dirnen ihre Aufführungen abhalten ließ und wo sie auch den Männern
zu Diensten waren. Wenn diese Frauen in Häuser gebeten wurden, besuchten sie diese meist in Männerkleidung.
In der Zeit Selim II. (1566-1574) verfolgte man Prostitution; er ordnete an,
dass diese Art Frauen aus den Städten verbannt wurde.
Allerdings blühte der süße Handel wie wir aus Berichten erfahren allen
Verboten zum Trotz. Die Dirnen boten den Ordnungshütern Geld oder ihre geschmeidigen Leiber dar, überlisteten sie und führten ihre Tätigkeiten fort. Während die Verbote Selim II. in Kraft waren, begann man,
in vielen Stadtteilen Wäschereien zu eröffnen. Die besten Kunden der Geschäfte, in denen Frauen Wäsche wuschen, waren ledige Jünglinge.
Frauen, die dem Druck und der Aufsicht in den verschiedenen Stadtteilen entgehen wollten, hatten diese Läden ins Leben gerufen.
Ehemalige Bordelleigentümer standen hier hinter dem Ladentisch und hielten
junge Schöne für alle Art von Vergnügen bereit. Die schönen Wäscherinnen erholten sich an stählernen Brüsten von unverheirateten Jünglingen von ihrer Müdigkeit, sie erlebten süße Stunden und ließen sie
auch erleben.
Als man von den Tätigkeiten in den Geschäften erfuhr, wurden die Wäschereien auf Befehl des Sultans sofort geschlossen.
Am Ende des 16. Jahrhunderts verbreitet sich die gewerbsmäßige Unzucht im Hafenviertel von Istanbul.
Der überbevölkerte,
heilig mäßige Stadtteil von Eyüp bot heimlich Liebenden und dem Handel mit
käuflicher Liebe gute Möglichkeiten als Versteck. Frauen, die mit "ich
besuche die Grabkapelle" ihre Wohnungen verließen, trafen sich in den berühmten Sahnegeschäften von Eyüp mit ihren Verehrern.
In dämmrigen, dunklen Räumen saßen Dirnen Knie an Knie und handelten mit ihren Kunden die Preise aus.
Ein Befehl des Sultans aus dem
Jahre 1573 verbot, Frauen in die Sahnegeschäfte einzulassen.
Ein anderer Ferman (Befehl des Sultans) aus dem Jahre 1580 befahl, junge
Schönheiten nicht allein mit Männern zusammen in ein Boot zu nehmen. Flüchtige Liebespaare und Dirnen, die Kunden aufgegriffen
hatten, ließen sich an einsame Ufer bringen und wenn sie den Männern zu
Willen gewesen waren, kehrten sie mit den Booten wieder an die Anlegestege zurück.
Als die gewerbliche Unzucht unter Druck gesetzt wurde, verlagerte sie sich aus den Stadtteilen auf andere Ebenen. Den Vorbetern in den
verschiedenen Stadtteilen wurde befohlen, diese "ungezogenen" Frauen festzustellen und zu beobachten. Daraus entstand ein Geschehnis,
das man "Überfall" oder "Überraschungsangriff nannte.
Leute aus der Nachbarschaft fanden sich zusammen und drangen in die Häuser ein, in denen man gewerbliche Unzucht vermutete. Die
Frau konnte sich einer Bestrafung entziehen, wenn sie es zuwege brachte,
dass ihr Geliebter sie heiratete.
In einer brieflichen Anzeige, die an die Vorbeter im Stadtteil lmrahor gerichtet ist, steht Folgendes:
"Sie sollten wissen, dass die Leute, die unterhalb der lmrahor Moschee neben d6m Haus des kleinen Schreibers Hafiz wohnen, die
Bordelleigentümerin Ayse Hanim und der mit ihr in wilder Ehe lebende Bordellwirt Mehmet Aga in einer Woche diesen Stadtteil verlassen müssen. Solange die beiden ihren Stadtteil nicht verlassen, wird es hier
keine Ruhe und keine Sicherheit mehr geben.
Sie sollten auch wissen, dass wir eines Tages die Ehebrecher mit den Dirnen zusammen gesehen haben, als sie in das Freudenhaus gingen.
Am Montag sind drei Schürzenjäger und nach ihnen drei armenische Frauen in das Bordell gegangen. Wir sehen,
dass alle möglichen Leute
dort einkehren und das Freudenhaus wieder verlassen."
Es wurde immer wieder festgestellt, das Händler, die auf dem Sklavenmarkt Mädchenhandel trieben, an gewerblicher Unzucht beteiligt
waren. Bevor ein Gebäude für den Sklavenmarkt errichtet worden war, wurden Sklavinnen öffentlich zur Schau gestellt und so verkauft. Schürzenjäger, die so Gelegenheit hatten, sich die Mädchen anzusehen,
gaben den Händlern eine so genannte Anzahlung und kauften sich die Sklavinnen für eine Nacht.
Es gab sogar einige besondere Mädchenhändler, die Sklavinnen, die bei ihnen verblieben, als Versuchsobjekt verkauften und sie nach
kurzer Zeit bereitwillig zurücknahmen. Fremde Staatsangehörige, die sich
in Istanbul befanden, konnten sich auch Sklavinnen kaufen. Wir wissen,
dass solch Käufe häufig und in kurzen Zeitabständen stattfanden.
Das beste Geschenk für Fremde, die aus dem Ausland kamen, für Besucher und Freunde war eine Sklavin für eine Woche.
Diese An- und Verkäufe, die offiziell in Hurerei ausarteten, wurden bemerkt, die Sklavenhändler bestraft und die Sklavinnen aus den Häusern von Fremden gegen Geld zurückgekauft. Daraufhin wurde
Fremden verboten, Sklavinnen zu halten.
Evliya Celebi schreibt in seinen berühmten Reiseberichten, dass im Jahre 1633 beim Umzug der Handwerker auch Mädchenhändler dabei
gewesen seien und er nennt eine Zahl von zweihundertzwölf Personen.
Beim gleichen Umzug sollen sich auch Männer befunden haben, die
sich persönlich verkauften.
In der Zeit Sultan Murat IV. (1623-1640), der Feind von Tabak und
Alkoholgenus war, traf man harte Vorkehrungen gegen die
zunehmende Prostitution.
In den Regierungsperioden vom Sultan Ibrahim dem Irren (1640-1648), Ahmet III. und Selim III. nahmen
Genus und Vergnügen zu
berichten uns osmanische Historiker. In der Tulpenzeit unter Sultan Ahmet III. begannen Frauen wieder an Vergnügungen im Freien, in
Kagithane teilzunehmen. In Seidenkleidern, die alle Linien ihrer Körper freigaben, begannen sie auf angemessene Distanz sogar mit Männern zu flirten. Auf Grund der Kleider, unter denen sich die Körperkurven abzeichneten, gab es wieder Arger, der Sultan musste einen
Ferman erlassen, der die Frauen anwies sich gesitteter zu kleiden.
Die osmanischen Sultane verfolgten ständig die Frauen in der Art, wie sie sich kleideten und wie sie sich benahmen. In den Zeiträumen
der Erneuerung, wo sich auch Frauen frei bewegen konnten, war es den Frauen allerdings verboten, enge und dünne Kleider zu tragen,
damit Männer in ihren geschlechtlichen Gelüsten nicht angeregt würden.
Diese Art der Kleidung von Frauen wurde als sexuelle Aufforderung bewertet. In einem Ferman aus der Zeit Sultan Selim III. heißt es:
"Der Menschengruppe der Frauen war es von jeher verboten, auf den Straßen oder auf den Märkten in aufreizender Weise
umherzugehen, jetzt ist es denen, die in dünnen mantelartigen Überwürfen
herumspazieren, verboten, sich in diese Art von Überwürfen zu kleiden.
Schneider, die diese Art von Überwürfen anfertigen werden vor ihren Läden aufgehängt."
Junge Frauen, die sich an Ausflugsplätzen, die weit entfernt vom Zentrum Istanbuls auf Jagd begaben, wurden im Jahre 1752 mit folgendem Ferman zur Ordnung gerufen:
"Es gibt unter den Frauen solche, die sich mit dem Vorwand, spazieren zu fahren und an die frische Luft zu kommen,
Kutschen in die
Gegend vom Camlica, von Sariyer und Beykoz begeben. Es ergingen Anzeigen,
dass sie sich dort unsittlich benehmen. Aus diesem Grunde
ist ab sofort verboten, dass Frauen sich per Kutsche in entfernte Ausflugsorte begeben."
In den angeführten Beispielen wird hauptsächlich über Istanbul berichtet. In schriftlichen Unterlagen findet man sehr wenig Berichte
über gewerbliche Unzucht in Anatolien. In kleinen Niederlassungen ist es viel leichter, aufzufallen. Dieses mag auch der Grund dafür sein,
dass
man von Hurerei absah. Natürlich war Unzucht in der Umgebung von Handel und Reichtum eher anzutreffen.
Im 19. Jahrhundert wurden die Stadtteile Galata und Beyoglu in Istanbul Mittelpunkt für Prostitution. Dieses waren die Orte, wo
Fremde wohnten und Vergnügungsstätten nahe beieinander lagen. Im Jahre
1811 erwähnte Reichhard in seinem Reiseführer "Guides des Voyageurs en
Allemane, en Hongri et a Constantinople", der in Deutschland
verlegt wurde, die Bordelle von Istanbul.
Er berichtet, dass die Bordellbesitzerinnen im allgemeinen Juden seien,
dass in diesen Häusern neben Frauen, die gewerbsmäßig
Prostitution betreiben auch solche zu finden sind, die sich langweilen oder ihre
sexuelle Befriedigung suchen, moderne Frauen aus Beyoglu, die sich so für die Gleichgültigkeit ihrer vermögenden Männer rächen und
levantinische oder Frauen der Minoritäten, die eigentlich zur höheren
Gesellschaft gehörten.
Ein Jahrhundert zuvor hat schon der Reisende Olivier über "Straßenmädchen" berichtet, die auf Kundschaft warteten: "In den Straßen
von Beyoglu duldet man stillschweigendjunge Griechen, die mit ihrer Kleidung und
ihrem weiblichen Gebaren sehr schnell zu erkennen geben, was sie sind und wozu sie nützen, wenn sie auf Kunden warten.
Obgleich türkische Männer ihre Haare nach Brauch und Sitte schneiden, lassen diese Jünglinge ihre Haare wachsen. Kämmen sie jeden Tag
und reiben sie mit Wohlgerüchen und Rosenöl ein. Sie tragen Blumen im Haar. Ihre Wangen sind mit Wangenrot eingerieben, ihre
Augenbrauen nachgezogen und ihre Wimpern geschminkt."
Mit Erlaubnis des Sultan Mahmuts II., der für Erneuerungen war, begannen sogar die Haremsdamen an Ausflugsorten glänzende, farbige
Seidenumhänge zu tragen, sie vervollständigten so das bunte Bild. Vergnügungsorten
im Freien um Istanbul herum konnten sich auf diese
Weise, vom Druck, der auf ihnen lag befreien. Für alle, die verbotene und gewerbsmäßige Liebe suchten, gab es nun bestimmte Orte.
Beyoglu spielte sich in den Vordergrund und verliert seine Besonderheit als Mittelpunkt nicht mehr.
Es ist absolut keine Überraschung,
auf Frauen zu treffen, die italienisch, französisch, englisch, türkisch,
griechisch, armenisch und sogar arabisch sprechend zu einem Flirt bereit sind.
Um 1860 wurde als Konkurrenz zu Beyoglu in Aksaray, einem bevölkerten Stadtteil, auch ein Bordell eröffnet. Da der Besitzer aus dem
Iran stammte, wurde es als "Bordell de Persers" bekannt. Es war ein Vorstoß, an den sich andere Häuser mit Diensten für die Kundschaft
anschießen. Die Dienstbeflissenen waren muslimische türkische Frauen, Armenierinnen und griechische Schönen, die auf die Volksseele einzugehen verstanden.
Dirnen, die es in ihrem Gewerbe zu Ruhm
gebracht hatten, kamen mit ihren Mädchen hierher und errichteten mit neuen Bordellen ein neues Zentrum.
Allerdings blieb Beyoglu immer das prächtigste Vergnügungszentrum und Liebesnest für Istanbul.
Zur Zeit des Sultan Abdülhamid II. sah man auch, dass Mitglieder des Hofes wie Prinzen und Paschas sich
nächtlicherweise in Beyoglu auf die Jagd begaben. Stars aus den europäischen Gruppen, die zu Aufführungen hergekommen waren, stellten
in der Regel die Beute für diese Reichen. Als Weißrußen, die vor der bolschewistischen Revolution geflohen waren, ankamen, begann am
Beginn des 20. Jahrhunderts ein Leben in Heiterkeit für Beyoglu. Die feindliche Besatzung Istanbuls im Jahre 1919
beeinflusste die Zunahme von Prostitution bedeutend. In diesen Jahren nahm Hurerei von türkischen Frauen zu und die Zahl von praktizierenden Dirnen stieg auf das
Dreifache, wie amtlich festgestellt wurde.
Die Erneuerungsbewegung in der Republik Türkei und die Reformen vermittelten
den Frauen neue Rechte. Die Frauen kamen hinter den Gittern hervor und dadurch wurde eine gesundere Atmosphäre
geschaffen. Das Miteinander von Frauen und Männern ließ vornehmlich die
Prostitution und auch widernatürliche Beziehungen zurückgehen. |